Wie auch beim letzten Mal trafen wir uns wieder gegen 11.15 Uhr am Treffpunkt Bahnhof Waiblingen. Auch heute hieß es Abfahrt mit dem "Schönen Wochenend-Ticket" der Bahn um 11.40 Uhr mit der S-Bahn nach Stuttgart und dann weiter um 12.15 Uhr mit dem "Pendolino" von Gleis 13.
Leider war das Wetter heute nicht so toll wie beim letzten Mal, doch unsere Laune war trotzdem gut. Wir waren heute zu zehnt, außer mir waren noch Sabine, Susi, Verena, Miriam, Ljubica, Nadine mit ihren Schwestern Melanie und Veronica und ihrem Freund Daniel mit von der Partie.
Nachdem wir Plätze im Pendolino gefunden hatten, wurden wir von Sabine mit Streuselkuchen verwöhnt. Trotz verspäteter Abfahrt erreichten wir Tübingen nahezu nach Plan. Das Wetter war recht wechselhaft. Zwischendurch schien es als würde die Sonne herauskommen, doch dann zogen wieder dunklere Wolken auf. Bei Reutlingen fielen sogar einige Regentropfen, in Tübingen war es zum Glück wieder trocken. Rüdiger erwartete uns bereits am Bahnhofseingang.
Heute stand als erstes ein Besuch des Klosters und Schloßes Bebenhausen auf dem Programm. Wir nahmen deshalb gleich vom Bahnhof aus den Bus nach Bebenhausen. Rüdiger hatte schon, wie es sich für einen guten Reiseleiter gehört, die Gruppenfahrkarten für den Bus besorgt. Abfahrt war laut Fahrplan um 13.17 Uhr und der Tübinger Bus war sogar pünktlich. Etwa eine Viertelstunde später hatten wir unser Ziel erreicht.

Als Programmpunkte gab es Schlossführung, Besichtigung der Küche und Rundgang durchs Kloster, letzteres auf eigene Faust. Bis zum Beginn der Schlossführung um 14.00 Uhr konnten wir noch einen kleinen Imbiss zur Stärkung zu uns nehmen. Eine kleine "Läster"-Abwechlsung boten auch die beiden Brautpaare, die in der Anlage mit Fotograf und sonstigem Gefolge unterwegs waren. Pünktlich um 14.00 Uhr bekamen wir dann Einlass ins Schloss und zwar durch den "Lieferanteneingang" -, und die 45-minütige Führung durch das ehemalige Jagdschloss von Wilhelm II und Charlotte konnte beginnen. Wir starteten im "grünen Saal", in dem neben einigen bekannten Orten (Stuttgart, Urach, Beutelsbach, ...) auch ein einfacher Stammbaum der "Blaublütigen" an den Wänden dargestellt war. Nachdem der grüne Saal auch als Speisesaal genutzt wurde konnten wir auch einen Blick in die "obere Anrichte" werfen, die sich gleich nebenan befand. Bei der Größe konnte man als Normalbürger vor Neid nur erblassen. (Für die Besichtigung der Küche, einen Stock tiefer, mussten wir später eine separate Eintrittskarte lösen.) Von hier aus wurden wir über das Vorraumtreppenhaus des Haupteinganges - mit "Lavabo" und Malereien der heimischen Tierarten an den Wänden ausgestattet, sowie einem geschnitzten Treppengeländer mit Darstellung einer Jagdszene in den blauen Saal geführt. Auch dieser Raum wurde als Speisesaal genutzt, war jedoch um einiges größer als der vorherige. Hier gab es auch einen sehr großen Kachelofen, Marke Fleischmann. Die Wände waren mit Jagdtrophäen geschmückt und auch die Leuchter bestanden aus Hirsch-Geweihen. Hieran schließt sich der "rote Saal", der als Raucherzimmer genutzt wurde. Die Bezeichnung der Zimmer richtet sich stets nach der Farbe des Teppichbodens. Dieser offensichtliche Zusammenhang blieb uns, als aufmerksamen Besuchern, natürlich nicht verborgen. Über eine Wendeltreppe gelangten wir dann einen Stock höher in die Gemächer "Charlottes" und "Wilhelms". Besonders imposant waren das Ankleide- und Schminkzimmer, sowie das Badezimmer der Herrscherin. Für besondere Besucher war sogar ein Gästezimmer vorhanden. Auf einem kleinen Tischchen stand auch ein Bild von der ersten Frau Wilhelms, und der Tochter Josephine, die aus dieser Ehe hervorging. Leider war die Mutter im Kindbett gestorben. Josephine galt als etwas schwierige Person, zumal sie zur damaligen Zeit schon Hosen anstelle der üblichen Kleider trug. Als passionierte Reiterin ließ sie sich später auf einer Pferdekoppel beisetzen.
Im Anschluss an diese informative Schlossführung begaben wir uns nach unten, zur Küchenbesichtigung. Dazu mussten wir bis kurz vor den Burggraben zurücklaufen. Die Schlossküche hatte mit allen zugehörigen Räumen, incl. Wohnung der Köchin und den Kühlräumen, locker die Größe einer 4-Zimmerwohnung. Im Treppenhaus gab es den von Hand zu bedienenden Speiseaufzug nach oben in die vorhin besichtigte Anrichte. In der Küche selbst gab es einen riesig großen Herd nebst Backofen und Heizkessel. Von hier aus wurde auch das warme Wasser für das königliche Bad erhitzt. Zum Kochen gab es bereits damals schon einen Wasserhahn direkt am Herd. Aufgrund der Hitze und "Abgase" mussten auch im Winter die Fenster der Küche geöffnet bleiben, was für die hier Beschäftigten bei den eisigen Temperaturen mitunter tödlich sein konnte. Interessant waren auch die Gefrier- und Kühlschränke der damaligen Zeit, die mit "Stangeneis" betrieben wurden.
Nach diesem Exkurs in die Schlossküche begaben wir uns ins Kloster zu einem kleinen Rundgang. An einigen PCs konnte man sich die Baugeschichte der Anlage demonstrieren lassen und mittels Grundrissen und Perspektiven die im Laufe der Zeit durchgeführten baulichen Veränderungen nachvollziehen. Die Räumlichkeiten des Klosters wurden noch im 20. Jahrhundert vom württembergischen Landtag genutzt, bevor es zum Zusammenschluss Badens und Württembergs kam. Danach tagte der Landtag dann in Stuttgart.

Nach soviel Geschichte und Kultur wurde es langsam Zeit, etwas fürs Gemüt und den Körper zu tun. Also fuhren wir zurück nach Tübingen, um die Kahnfahrt in Angriff zunehmen.
Wie bereits beim letzten Mal, trafen wir uns mit Katja am Anlegesteg.
Bevor die Fahrt los gehen konnte, mussten wir erst einmal den Kahn ausschöpfen. Durch die Regenfälle der letzten Tage hatte sich doch einiges Wasser angesammelt. Nach diesem Akt, den Rüdiger sorgsam überwachte, wurden die Sitzplätze eingerichtet. Dann hieß es alles an Bord, und Katja griff zur Stange. Nach anfänglichen Unsicherheiten durch plötzliche und unkoordinierte Bewegungen im Kahn, kehrte langsam Wohlbehagen ein, und wir richteten uns mit Getränken, Knabbereien und Kuchen im Boot gemütlich ein. Die Stimmung wurde im Laufe der Fahrt immer besser und unser Lachen war bestimmt bis an die Ufer zu hören. Rüdiger löste Katja nach einiger Zeit bei dem doch recht kräftezehrenden Job beim Stochern ab, und führte uns wieder in den Nebenarm des Neckars. Hier versuchten dann Verena und Sabine nochmals ihr Glück beim Lenken des Kahnes. Zwischendurch benötigten wir zwar die ganze Breite des Flussbettes, doch wir mussten weder die Erfahrung des Kenterns, noch des "auf Grund Laufens", machen. Die beiden "Stocherschüler" machten ihren Job gut, so dass wir alle wohlbehalten, trocken und auch sonst unbeschadet wieder die Anlegestelle erreichten. Zuvor hat uns Rüdiger noch durch die traditionelle Engstelle an der Brücke geführt. Ohne diesen "Haken" darf man nicht wieder anlegen, denn durch dieses "Nadelöhr" müssen auch die Teilnehmer des traditionellen "Stocherkahn-Rennens".
Als wir dann alle Teile wieder ordentlich verstaut und gesichert hatten, konnten wir unseren Weg zum wohlverdienten Abendessen antreten. Rüdiger hatte für uns Plätze im "Mauganeschtle", kurz unterhalb der Burg, reserviert. Hier waren für uns Plätze in einem netten kleinen Gewölbekeller vorbereitet. Nachdem wir kurzerhand auch noch den Musiklautsprecher aus dem deutsche Schlager dröhnten - ausser Kraft gesetzt hatten, war es noch gemütlicher. Wir ließen uns die "Maultaschenspezialitäten" des Hauses schmecken und die Ereignisse des Tages noch einmal Revue passieren.
Viel zu schnell verging die Zeit und wir traten den Heimweg zum Bahnhof an, von wo uns der Pendolino wieder in die Schwabenmetropole zurückbrachte.
Birgit Herold