Ausflug nach Tübingen zum Stocherkahnfahren
Samstag, 30. Juni 2001

Für 11.30 Uhr war Treffpunkt Bahnhof Waiblingen ausgemacht. Von hier aus sollte unser Abenteuer beginnen. Abfahrt mit dem "Schönen Wochenend-Ticket" der Bahn um 11.40 Uhr mit der S-Bahn nach Stuttgart und dann weiter um 12.15 Uhr mit dem "Pendolino" von Gleis 13.
Entsprechend dem sonnigen Wetter waren wir alle guter Laune, wir heißt Regina mit Annika und Mareike, Sabine, Verena, Herbert, Erich und ich. Erich schaffte es gerade noch in letzter Minute und auch Sabine war, entgegen Ihrer Versprechungen, nicht bei den Ersten!
Mit ausreichend Verpflegung (Kuchen, Kirschen und Apfeltaschen) würden wir auf der langen Zugfahrt auf keinen Fall verhungern. Immerhin waren wir bis kurz vor 13.00 Uhr auf den Gleisen unterwegs.

Rüdiger holte uns wie verabredet am Bahnhof Tübingen ab. Für die zuerst geplante Stadtführung war er bestens mit Spickzetteln ausgerüstet, und konnte uns so alles Wissenswerte über die Universitätsstadt Tübingen, die von Graf Eberhardt im Barte gegründet worden war, erzählen. Wichtige Stationen auf unserem Rundgang waren neben der Eisdiele der Pfleghof, der einem "Zehnthof" entspricht, das Nonnenhaus, das Cottahaus nebst Nachbarhaus mit dem historischen Fenster: "Hier kotzte Goethe", natürlich der Marktplatz mit dem alten Rathaus, die Burg und das Stift.
Von der Burg hatten wir natürlich einen wunderschönen Blick auf Tübingen und Umgebung. Auch der kleine geografische Disput "Achalm" konnte unsere gute Stimmung nicht trüben, ließ allerdings tiefe Einblicke in unser aller Heimatkundekenntnisse zu.

Nach dieser interessanten Stadtführung waren wir nicht nur mit neuem Wissen vollgestopft, sondern auch von der Hitze ausgedörrt. Die Zeit war außerdem reif für die Kahnfahrt. Zwischendurch hatten wir bereits einige Kähne dieser Art auf dem Neckar erblickt und einen kleinen Vorgeschmack dessen bekommen, was uns nun erwarten würde. Wir mussten nur noch an den Anlegeplatz laufen, wo Katja und der Stocherkahn nebst kühlen Getränken auf uns warteten.
Der Kahn war schnell betriebsbereit: Sitzbänke und Rückenlehnen positionieren, einsteigen und ablegen. Zuerst ging es neckaraufwärts, vorbei am Taubenhaus und der Uferpromenade. Außer uns waren auch noch ein paar andere Kähne, Tretboote und Ruderboote auf dem Wasser.

Katja stocherte gekonnt gegen die Strömung, zwar nicht mit soviel Kraft, doch dafür mit perfekter Technik. Als wir auf eine 5er Kahngruppe mit Jazz-Life-Musik stießen, war die Technik allein nicht ausreichend. Die aneinandergebundenen Stocherkähne pendelten langsam quer zum Fluß, so dass es recht schwierig wurde an ihnen vorbei zu kommen. Es war schlecht abschätzbar, auf welcher Seite wir am besten vorbeikommen würden, rechts oder links? Der erste Versuch schlug fehl. Wir rammten beinahe die Gruppe und bei dem Versuch, uns aneinander vorbeizuschieben bekamen wir zuviel Seitendrall und machten unfreiwillig eine Komplettumrundung der "Jazz-Bühne". Bei dem unfreiwilligen "Enterversuch" attakierten wir die Getränkekisten im Kahn. Doch die wurden schwer verteidigt.

Beim zweiten Versuch klappte es dann, und wir konnten unseren Weg flußaufwärts fortsetzen. Nach einer weiteren Strecke gab Katja dann die Stange an Rüdiger ab. Dieser demonstrierte nun, entsprechend dem männlichen Geschlecht, die andere Variante – mehr Kraft und weniger Technik – weshalb wir auch zwei Mal auf eine Felsbank im Neckarbett aufliefen und kurz festsaßen. Doch auch das war ein "Teil" unseres von Rüdiger und Katja perfekt organisierten Abenteuers.

Während Rüdiger stocherte, gingen Katja und die beiden Mädchen Annika und Mareike im Neckar baden. Das Wasser war zwar nicht sehr tief, doch trotzdem ziemlich kühl. Nichts desto trotz machte es den Dreien sehr viel Spaß, im Wasser zu planschen. Zwischendurch hieß es aufpassen, da die Strömung manchmal sehr stark wurde.
Kurz bevor wir umdrehten und flußabwärts fuhren, gab es noch ein kleines Strömungsabenteuer der besonderen Sorte. Von links mündete ein Kanal in den Neckar, der für eine besonders starke Strömung sorgte. Wenn man nicht aufpasste, würde sich der Stocherkahn quer stellen und wir müssten uns von der Strömung treiben lassen. Doch unsere beiden "Fahrer" kannten die Stelle und wußten was zu tun war. Und natürlich klappte auch alles. Wir überwältigten das "kleine Hindernis" ohne Probleme!

Auf dem Rückweg nahmen wir auf der zweiten Weghälfte den rechten Nebenarm, doch zuvor mussten wir nochmals an der "Jazz-Bühne" vorbei. Diesmal schafften wir es auf Anhieb. Im Nebenarm konnten dann auch Sabine, Verena und Erich stochern probieren. Nach ein paar Versuchen, mal mehr, mal weniger, klappte es bei allen ganz gut. Zumindest kenterten wir nicht und verloren auch nicht die Stange. Ab und zu landeten wir im Gestrüpp der Bäume, oder näherten uns verdächtig dem Ufer, doch das waren schon alle Probleme.
Alles in allem hatten wir sehr viel Spaß und so waren wir recht traurig, als die 3 Stunden vorbei und wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour angekommen waren.

Nachdem alles wieder aufgeräumt und verstaut war, der Kahn nebst Zubehör vertäut und abgesperrt, ging es zum letzten Programmpunkt des heutigen Tages: dem Ausklang beim Italiener zum Abendessen.
Nach einem kurzen Fußmarsch hatten wir unser Lokal erreicht, und fanden auch noch einen netten Platz auf der Dachterrasse im Freien.
Mit Pizza, Spaghetti und anderen italienischen Köstlichkeiten genossen wir den schönen Abend und schmiedeten bereits Pläne für eine Wiederholung dieses tollen Abenteuers. Zum Abschluss holten wir uns noch ein Schleckeis an der nicht weit vom Weg zum Bahnhof entfernten Eisdiele.
Mit etwas Verspätung konnten wir dann Plätze im Zug einnehmen und gegen 21.15 Uhr den Bahnhof Tübingen per Gleis verlassen.
Die in den Medien TV und Radio für den Nachmittag angedrohten Gewitter- und Regenschauer erlebten wir zum Glück erst gegen 21.30 Uhr, als wir bereits im Zug gen Stuttgart saßen. Doch wir waren uns alle einig, es war ein sehr schöner Ausflug gewesen, den wir unbedingt wiederholen wollten.

Birgit Herold